77. Tipp: Reifendruck-Kontroll-Systeme:

Letzte Änderung am 29.08.2010 / 05.01.2010 Copyright Dr. Hans Hehl

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Arbeiten an Fahrzeugen erfordern fachliche Kompetenz, entsprechendes Werkzeug und die Ehrlichkeit, die eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen oder vielleicht besser in die Werkstatt zu gehen. Alle Angaben nach bestem Wissen, aber ohne Gewähr! Ersatzteilnummer immer vor Bestellung überprüfen!

Übersicht:
1. Einführung:
2. Grundlagen
3. Einbau Nokia-System:
4. Konfiguration und Betrieb:
5. Beispielsystem: TPM-System:
6. RDK Mercedes (Code RY6) ab Mai 2007) für 463:
7. RDK Mercedes beim SL55AMG:
8. Reifenschäden:
9. TPMS (Tiremoni) Reifendruckkontrolle:
1. Einführung:

Reifendrucksysteme gibt es in drei verschiedenen Arten: a) als Ventilsensor, b) als Felgenbettsensor und c) ohne Sensor als Auswerteeinheit vom ABS.
2. Grundlagen:

Reifendrucksystem von Nokia Tires (Felgensensor): nicht empfehlenswert

Eine Beschreibung findet man z.B. bei: www.kfztech.de/kfztechnik/fahrwerk/reifen/rdks.htm. Von Nokian gibt es eine ausführliche deutsche Beschreibung des Kontroll-Systems.
Systemeigenschaften: top

Das System arbeitet mit 433.92 MHz. Die Sensoren wiegen 25 g und enthalten eine nicht auswechselbare 3V Lithiumbatterie CR245ON mit 540 mAh. Die Druckmessung erfolgt mit einer Genauigkeit von +- 0,12 bar im Bereich von -40 bis +100 Grad C. und die Temperaturmessung mit +- 6 Grad C.. Der Geschwindigkeitsbereich reicht bis 250 km/h. Das Übertragungsintervall beträgt 14 Sekunden und nach Fahrzeugstillstand ist das System noch 15 Minuten aktiv.
RDK RDK RDK
Empfänger: top

Der Empfänger besitzt einen Startknopf, 4 gelbe Reifenanzeigen, eine Statusanzeige (rot/grün). Wenn das Fahrzeug in Bewegung gesetzt wird, blinken die vier Reifenanzeigen und erlöschen nach einiger Zeit, wenn alles in Ordnung ist.
Zur Funktionskontrolle kann man den gelben Startknopf drücken, eine kurzzeitige grüne Anzeige zeigt die korrekte Funktion an. Den Empfänger kann man an der Sonnenblende mit einem kleinen Gurt befestigen. Die Befestigung mit Gurt an der Sonnenblende gefiel mir nicht. Eine kleine Blechlasche hält den Empfänger (leicht abnehmbar) am Himmel. Empfänger Empfänger Empfänger
Alarm: 1. Alarmstufe niedrig: top

Fällt der Reifendruck um 10% ab oder ist die Temperatur im Felgenbett über 80 Grad C.: Die Statusanzeige blinkt langsam rot, die Reifenanzeige des defekten Reifens blinkt gelb und ein Signal ertönt synchron zum Blinken.

2. Alarmstufe hoch:

Bei einem über 20%igen Druckabfall und über 100 Grad C. erfolgen die optischen und akustischen Signale schnell.
3. Einbau: Nokia Pressure Watch (Nokian Tyres) top

Den Einbau kann jeder Reifen-Montagedienst durchführen. Es müssen halt einige Dinge beachtet werden:

1. Der Reifensensor muss nahe beim Ventil befestigt werden (z.B. immer rechts vom Ventil mit 2 cm Abstand), damit bei der Demontage des Reifens von der Felge die Sensorlage bekannt ist.

2. Auch der Verschluss der Schlauchschelle soll gegenüber dem Sensor neben dem Ventil auf der anderen Seite erfolgen.

3. Die Schlauchschelle zur Befestigung des Sensors muss im tiefsten Felgenbettbereich exakt parallel zum Felgenrand angebracht werden, damit kein Verschieben und keine Lockerung der Schlauchschelle möglich ist.

4. Das Band der Schlauchschelle darf nur wenige Zentimeter überstehen, also kürzen.
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4. Konfiguration und Betrieb: top

Konfiguration: Handbuch S. 95

1. Der Reifendruck muss korrekt eingestellt sein.
2. Nach Drücken des Konfigurations-Pins ertönt ein kurzes Signal. Der Konfigurationsmodus bleibt für 9 Minuten erhalten.
Neue Druck-Referenzwerte werden nicht gesetzt, wenn nicht alle 4 Sensoren erkannt werden oder der Druck niedriger als 1,5 bar ist. Die Stausanzeige blinkt dann rot.
3. Die Status-Anzeige blinkt während der Konfiguration grün und schnell.
4. Nun mindestens mit 20 km/h eine Strecke fahren. Die Reifensensoren werden aktiviert und nehmen mit dem Empfänger Kontakt auf.
5. Die neuen Referenzwerte sind gespeichert, wenn ein Signal ertönt und die Statusanzeige nicht mehr grün blinkt.
6. Die Statusanzeige blinkt rot, wenn während der Fahrt die Verbindung der Sensoren zum Empfänger unterbrochen ist. Dann muss neu konfiguriert werden.
Batterietyp: im Empfänger Lithiumzelle 3,6 V, CR2-Type, XL-051F, SB-AA02 (size 1/2AA) von Tekcell. top

Wenn die Empfängerbatterie leer wird, ertönt alle 5 Minuten dreimal ein Signalton. Bei großer Kälte kann ein Fehlalarm ausgelöst werden. Beim Batteriewechsel bleiben die gespeicherten Referenzwerte erhalten. Die Batterie gibt es z.B. bei ELV u. Westfalia.
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5. Reifendrucksystem TPM-104 (Ventilsensor): Hinweis von Mick (www.viermalvier.de) top

Dieses nicht mehr erhältliche System verwendete Ventilsensoren und benötigte einen 12 V-Anschluss für das Display. Die website ist nicht mehr zugänglich.
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6. RDK von Mercedes für 463: (Code RY6 ab Mai 2007): top

Ab Modelljahr 2007 wurde beim Geländewagen, Baumuster 463.248 (G500), 463.270 (G55AMGK) und 463.341 (G320CDI) eine Reifendruckkontrolle eingebaut.
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Ventilsensoren melden alle 60 sec die Daten (Druck, Temperatur, Sensordaten) an das Steuergerät (beim CD-Wechsler hinten im Radlauf).

Die Anzeige des Reifendrucks erfolgt erst nach einigen Minuten. Zuerst aktivieren sich die Ventilsensoren. Dann müssen die ersten Datenpakete übertragen werden. Eine umfangreiche Anzeige der Daten ist in das Menuesystem des Kombiinstrumentes integriert (GF40.15-P-0001G). Über den Innenraum-CAN werden Geschwindigkeit und Außentemperatur übertragen. Die im Menue "Reifendruckkontrolle" über die Lenkradtasten eingegebenen Daten werden vom LIN-Steuergerät im Lenkrad über den LIN-Bus (Local Interconnect Network, siehe Tipp LIN-Bus) an das Mantelrohrmodul gegeben. Über den Innenraum-CAN gelangen sie an das Kombiinstrument.
7. Reifendruck-Kontrollsystem RDK: top

Wechsel/Wiedereinbau der Sensoren (AR40.15-P-0080A)

Beim SL55AMG gab es bis 31.05.2005 die Reifendruckkontrolle RDK von Beru (600248533), danach von Siemens. Inzwischen wird das System von Beru mit geändertem Rechnerchip wieder geliefert.

Bei meinem SL55AMG, Typ 230.474 7/2002, hatte der Vorbesitzer die RDK-Sensoren nicht mehr ersetzt, als die Batterien im Sensor leer waren und neue Reifen notwendig wurden. Die Sensoren haben eine Mindestlebensdauer von 5 Jahren, da die Lithium-Batterien nicht austauschbar sind. So kamen auch Gummiventile in die Felgen. Im August 2008 ergänzte ich wieder die vier Sensoren.

Zu den Sensoren (A0055422318 - 78,00 Euro ohne MwSt., Beru Nr. 600248533, Herstellungsdatum 09/05/2008)) muß man die Metallventile (A0014012713 - 9,77 Euro ohne MwSt., Ventilkappen (Schutzkappe) sind dabei) mitbestellen.

Es dürfen nur Ventilkappen aus Kunststoff (A0004010609 - 0,88 Euro ohne MwSt.) auf den Alu-Ventilen verwendet werden, da sonst Korrosion eintritt (AR40.15-P-0080A).

Identifizierungsnummern: VR: 248549 VL: 248430 HR: 248533 HL: 247634
Über das Beru-System findet man auch einiges im Internet: http://www.beru.com/deutsch/aktuelles/presse/20020917-PI137.php oder hier als pdf abgelegt. Radelektronik mit Ventil: 1, Torx-Befestigungsschraube, 2. Radelektronik, 3. Ventil mit Schulterdichtung, 4. Distanzscheibe, 5. Überwurfmutter, 6. Ventilkappe, 7. Montagestift RDK RDK
7.1 Techn. Details:
(bis 31.05.2004: GF40.15-P-3000-03R, ab 01.06.04 bis 31.05.05 : GF40.15-P-3000-03RA):

Im Gehäuse des Sensors befinden sich der 433MHz-Sender, ein Druck- und ein Temperatursensor sowie die Lithiumbatterie. Die Anbindung an den CAN-Motorraum-Bus ist komplex. In jedem Radlauf ist eine Antenne angebracht, die die Daten vom Sensor empfängt.
Diese vier Antennen geben die Daten an das Steuergerät N88. Das Steuergerät RDK (N88) befindet sich im Gepäckraum links (AR40.15-P-0100R). Aus den an den Radantennen gemessenen Feldstärken wird die Position des Sensors und somit des Rades ermittelt.

Dieses vergleicht den aktuellen Reifendruck unter Berücksichtigung der Reifentemperatur und der Außenlufttemperatur mit den gespeicherten Sollwerten. Bei Überschreiten der Grenzwerte wird über den CAN-Bus eine Meldung an das Kombiinstrument gegeben. Die entsprechende Information wird in beiden Rundinstrumenten (Multifunktionsanzeigen) angezeigt.
Es sind mehrere Steuergeräte beteiligt: Kombiinstrument (Initialisierung), SAM Fahrer N10/10 (Außenlufttemperatur), SAM Beifahrer N10/11 (Klemme 61 ein = Motor läuft), EZS N73 (Raddrehzahlen, Klemme 15 ein, Diagnose aktiv, Ländercode, Variantencodierung).

Jeder Sensor hat eine Identifizierungsnummer aufgedruckt. Zusätzlich ist jeweils ein Aufkleber mit der Nummer vorhanden. Die Nummer wird zur Aktivierung mit der Stardiagnosis benötigt (Menue: Steuergeräte - Fahrwerk - RDK - Inbetriebnahme - mit manueller Einstellung des neuen Steuergerätes).

Ab 1.06.2005 wurde bei Neufahrzeugen das Reifendrucksystem von der Fa. Siemens geliefert. Anstelle der 4 Antennen in den Radläufen gibt es nur eine am Unterboden. Die Bauteile von Beru und Siemens sind untereinander nicht kompatibel.
7.2 Einbau der Sensoren:

Zunächst habe ich mal die Sensoren ausgepackt und die Klebeschildchen mit den Nummern der 4 Sensoren ins Serviceheft geklebt. Die Identifizierungsnummern der Radsensoren und der Sollluftdruck (vorne 2,4 bar, hinten 2,5 bar) werden später mittels Stardiagnosis ins Steuergerät RDK übertragen.
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Vor der Montage (es fehlten noch die Ventile) kann man schon mal testen, ob die Sensoren erkannt werden. Dazu legte ich die Schächtelchen mit den Sensoren auf die Reifen des SL55. Die Zuordnung des jeweiligen Reifens, z.B. Vorne Links = VL, zur Identifizierungsnummer ID wird auch benötigt.

Nach der Eingabe der ID und des Sollluftdruckes für die vier Reifen mittels Stardiagnosis zeigte der Test, dass die Sensoren erkannt werden. Der Sollluftdruck muß vierstellig, z.B. 2400 hPa für 2,4 bar, eingegeben werden. Allerdings fehlt ja der Reifendruck und so ist das RDK-System noch nicht funktionsfähig.
Der weiße, herausragende Punkt ist der Luftfilter für die Druckmessung. Zur Reinigung keine Druckluft, Lösungsmittel oder Reiniger verwenden, sondern ein fusselfreies Tuch.

Ventil und Sensor handfest zusammenschrauben.
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Bei der Montage der Reifen auf die Felgen ist besondere Vorsicht geboten, damit der Sensor nicht beschädigt wird. Ansonsten muß er gewechselt werden, auch bei Beschädigung des Luftfilters oder bei Verwendung des Reifendichtmittels Tirefit. Bilder von Beru: Pressemitteilung. RDK RDK
7.3 Montage:

Für die Montage muß nur die Vorderseite des Reifens vorsichtig abgedrückt werden. Mit zwei Montiereisen drückt man dann den Wulst soweit ab, dass der Sensor montiert werden kann, die Lage des Sensors am Felgenbett anpassen und die Torx-20-Schraube mit 4 Nm fest ziehen. Ventil mit Distanzscheibe und Überwurfmutter anschrauben. Den Felgenrand dünn mit Montagepaste bestreichen (nicht den Sensor) und mit 5 bar Luftdruck den Reifen aufpumpen, damit der Wulst wieder richtig sitzt.
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Der Reifen muß neu gewuchtet werden. Die Wuchtmaschine sollte auf Null-Toleranz eingestellt sein, dann kann auch auf 0 gewuchtet werden (Norbert: herzlichen Dank). RDK RDK
7.4 Aktivierung RDK

Eventuell muß man mit der StarDiagnosis die Sonderaustattung Reifendruckkontrolle (RDK) auf "vorhanden" einstellen. Dann die RDK im Menue "Fahrzeug" mit der Tachorückstelltaste aktivieren und im Menue die Überwachung auf "ja" stellen.
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Nach der Aktivierung wird der Reifendruck erst nach bis zu 10 Minuten Fahrzeit im rechten Display angezeigt. Die Einheit "bar" sollte eingestellt sein. RDK RDK RDK
7.4 Meldungen:

Im rechten Rund-Display vom Kombiinstrument werden die Reifendruckmeldungen angezeigt.

Erinnerungsmeldung: gelb: Eine gelbe Hinweismeldung erscheint, wenn der Reifendruck zwischen 0,2 und 0,4 bar unter dem Solldruck liegt.

Warnmeldungen: rot Warnmeldungen erfolgen in roter Farbe und erscheinen, wenn der Reifenluftdruck
a) schnell, d.h. mit mehr als 0,2 bar/Minute absinkt.
b) mit mehr als 0,4 bar unter dem Solldruckwert liegt.
7.5 DAS/Stardiagnosis:

Menuepunkte: Steuergeräte - Fahrwerk - RDK-Reifendruckkontrolle

Im DAS-Menue "Istwerte" werden verschiedene Parameter angezeigt, so zusätzlich zum Reifendruck auch die Reifentemperatur und die Batterielebensdauer.
8. Reifenschäden: top

1. Bild: Geplatzter Reifen 5 Sek. nach Warnung vom RDK (von motortalk, Merc.-Richie)
2.-3.Bild: Thorsten, AMGOC: Pirelli P-Zero-Rosso 225-40-18, 5 Monate alt, Restprofil 70%
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5.-8. Bild: Peter: C55, vorne links bei 250 km/h, kein RDK. Reifen: Pirelli P Zero Rosso Asimmetrico 225/40/ZR18 92Y , 2007 (zul. Höchstgeschwindigkeit > 300km/h), Druck 2,6 bar RDK RDK
9. TPMS Reifendruck-System TM100 bis 4 bar: top

Informationen zum Reifendrucksystem TPMS oder Tiremoni findet man im Internet, z.B.: www.tiremoni.com. Es gibt das TPMS der Fa. Atriumpower bei Amazon.de für z.Zt. 88,39 Euro (versandfrei).

Für die hohen Geschwindigkeiten des G55AMG müßten die Reifen neu gewuchtet werden, da jeder Sensor etwa 10 Gramm wiegt. Diese Unwucht machte sich im Test sofort bemerkbar.

Ich verwendete ich es im Wettbewerbs-280GE, bei den "Riesenreifen" spielt es keine Rolle. Es bewährte sich auf der Transilvania-Trophy 2009 und zeigte uns einen langsamen Luftverlust im rechten Hinterrad an (siehe Bericht Transilvania-Trophy 2009). Bei der Transilvania-Trophy 2010 wurde der Reifenschaden mit Druckabfall (Nagel im Reifen) sofort gemeldet.
Weitere Einzelheiten zum TPMS-System sind hier: tipp98-1.htm#b66
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